Selbstsabotage: Warum Sie sich selbst im Weg stehen
Woher das Muster kommt, wie Sie es erkennen und wie Sie es mit Klopfen Schritt für Schritt unterbrechen.
Sie wissen genau, was zu tun wäre. Das Angebot müsste raus, der Anruf ist überfällig, und das Projekt liegt seit Wochen auf demselben Stand. Und dann tun Sie etwas anderes. Wieder.
„Faul" oder „undiszipliniert", so sieht es von außen aus, und oft werfen die Betroffenen sich genau das selbst vor. Meistens stimmt es aber nicht. Die wenigsten sind faul; sie wissen nur nicht, wie sie gegen den inneren Widerstand ankommen sollen, der sich jedes Mal meldet. Von innen fühlt es sich ohnehin schlimmer an als Faulheit: „Ich stehe mir selbst im Weg. Ich bin mein größter Feind." Wer diesen Satz über sich denkt, kämpft meist schon lange, nur eben gegen sich.
Vorweg: Selbstsabotage ist meist kein Charakterfehler. Hinter dem Muster steckt eine Logik, und was einer Logik folgt, lässt sich oft auch bearbeiten.
Das Tückische: Sie sehen es selbst kaum
Selbstsabotage fühlt sich für Sie normal an. Es sind ja Ihre Gedanken, Ihr Tempo, Ihr Zögern, Sie kennen sich gar nicht anders. Deshalb merken viele Menschen jahrelang nur das Ergebnis: dass sie nichts richtig auf die Kette kriegen, dass der Erfolg, den sie sich wünschen, immer woanders stattfindet. Woran es liegt, bleibt im Nebel. Man wüsste nicht einmal, worauf man klopfen sollte.
Und oft beginnt es, bevor überhaupt etwas passiert ist. Sie nehmen sich etwas vor, und sofort, manchmal erst am nächsten Tag, meldet sich der Zweifel. Negative Gedanken, ein schlechtes Gefühl, schlechte Laune, obwohl es noch gar keinen Widerstand von außen gab. Sie vergleichen sich mit anderen und fühlen sich klein. Am Ende halten Sie gegen den Strom der eigenen Gedanken nur mühsam Kurs.
Dazu kommt, dass viele gar nicht wissen, was sie überhaupt tun sollen. Der Erfolg, den man sich wünscht, scheint so weit weg, weil man ihn ja nie erreicht hat, und was man nie erreicht hat, kann man sich kaum vorstellen. So schrumpft die Zuversicht mit jedem Anlauf, der versandet, bis viele irgendwann gar nichts mehr angehen, weil sie die Hoffnung verloren haben, dass sich etwas ändert.
Woran Sie Selbstsabotage erkennen
Selbstsabotage tarnt sich gut. Offensichtliche Zerstörung ist selten; häufiger sind Varianten wie diese:
- Aufschieben ausgerechnet beim Wichtigen. Für Nebensächliches ist Energie da. Bei der einen Sache, die Sie weiterbringen würde, werden Sie müde oder finden plötzlich dringendere Aufgaben.
- Das Fähnchen im Wind. Sie nehmen sich etwas vor, ein Widerstand kommt, also machen Sie lieber etwas anderes. Dort kommt der nächste Widerstand, und Sie springen weiter, wie der Esel zwischen zwei Heuhaufen, der verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann.
- Zerreden vor dem Start. Sie planen und verbessern, holen noch eine dritte Meinung ein, bis der richtige Moment vorbei ist.
- Der Fast-Erfolg. Kurz vor dem Ziel passiert „etwas": Sie werden nachlässig, sagen den entscheidenden Termin ab, eine einzige Bemerkung kippt das Gespräch. Alles lief, bis es fast geklappt hätte.
- Lieber Ablenkung als Anfang. Am Ende schauen Sie Fernsehen oder YouTube, statt die Sache anzugehen, und wissen dabei genau, dass Sie es tun.
- Der innere Kommentator. Bei jedem Anlauf meldet sich eine Stimme: „Wer bist du denn, dass du das kannst?" Und Sie hören zu.
Ein einzelner dieser Punkte ist menschlich. Wenn sich daraus ein Muster ergibt, dieselbe Bremse an denselben Stellen über Jahre, dann sprechen wir von Selbstsabotage.
„Warum sabotiere ich mich selbst?" — die Logik dahinter
Die unbequeme, aber befreiende Antwort: oft, weil ein Teil von Ihnen Sie damit schützen will.
Selbstsabotage ist fast immer ein Schutzprogramm. Eine verbreitete Erklärung dafür lautet: Irgendwann, oft in der Kindheit oder in der Schule, und an vieles davon erinnern Sie sich gar nicht mehr, hat ein Teil von Ihnen entschieden: davor bewahre ich dich. Dieses Programm läuft dann weiter, lange nachdem die ursprüngliche Situation vorbei ist. Wovor schützt es? Meistens vor einem von diesen:
- Vor dem Scheitern. Wer nicht ernsthaft antritt, kann nicht ernsthaft scheitern. Das Aufschieben hält die Möglichkeit am Leben, dass Sie „es eigentlich gekonnt hätten".
- Vor dem Gesehenwerden und dem, was danach kommt. Wer Erfolg hat, fällt auf, und wer auffällt, zieht auch Neid und Häme auf sich. Wenn Sie früh gelernt haben, dass Auffallen gefährlich ist, bremst Sie heute etwas aus, bevor Sie sichtbar werden.
- Vor dem Verlassen des Reviers. Erfolg würde bedeuten, weiter zu kommen als das, was in Ihrer Familie „normal" war. Für eine innere Instanz ist das keine Verheißung, sondern Verrat. „Wir sind nicht die, die sowas machen." Solche Sätze wirken über Generationen, ohne je ausgesprochen zu werden.
Darunter liegt fast immer ein Glaubenssatz: „Ich bin nicht gut genug." „Erfolg ist für die anderen." „Wenn ich glänze, verliere ich die Zugehörigkeit." Das Sabotage-Verhalten ist nur der sichtbare Arm dieser Sätze. Deshalb greift reine Disziplin so schlecht: Sie kämpfen gegen das Verhalten, während der Satz darunter unangetastet weiterläuft. Die Arbeit an diesen Glaubenssätzen ist darum der aussichtsreichere Weg bei diesem Thema.
Warum es sich anfühlt, als liefen Sie bergauf
Jemand ohne dieses Muster nimmt sich etwas vor und tut es. Sie dagegen müssen bei jedem Schritt gegen den eigenen Gegenwind an: gegen den Zweifel, das schlechte Gefühl, das innere Nein. Es ist, als liefen Sie bergauf oder schwömmen gegen den Strom, während andere einfach loslaufen. Das kostet Kraft, die für die eigentliche Sache dann fehlt. Und weil sich das für Sie normal anfühlt, halten Sie es lange für fehlende Disziplin, dabei arbeiten Sie in Wahrheit gegen ein altes Schutzprogramm.
„Warum klappt bei mir nichts?" — der Filter im Kopf
Wer sich für seinen größten Feind hält, entwickelt einen Wahrnehmungsfilter: Jeder Rückschlag wird zum Beweis („typisch ich"), jeder Erfolg zur Ausnahme („Glück gehabt"). Dazu kommt der Satz, der schon vorher feststeht: „Ich hab ja eh kein Glück, es klappt doch sowieso nicht." So wird aus einer normalen Mischung von Gelingen und Misslingen eine gefühlt durchgehende Pechsträhne. Das ist keine Schönrederei Ihrer realen Rückschläge; es ist der Hinweis, dass die Bilanz, die Sie nachts ziehen, nicht von einem neutralen Buchhalter erstellt wird.
Das Muster unterbrechen — und wo EFT ansetzt
Wissen allein verändert das Muster selten. Die emotionale Ladung darunter muss kleiner werden, und genau da setzt das Klopfen an.
Das Schöne daran: Sie müssen nicht wissen, woher es kommt. Weil so vieles im Nebel liegt, dürfen Sie ganz breit anfangen, auf genau das Unklare:
„Auch wenn ich nicht weiß, warum ich mich hier blockiere, akzeptiere ich mich voll und ganz." „Auch wenn ich nicht verstehe, warum sofort diese Zweifel kommen, akzeptiere ich mich voll und ganz."
Von dort tasten Sie sich Schicht für Schicht heran. Oft wird der Nebel dünner, und darunter taucht etwas Konkreteres auf, an dem Sie weiterklopfen können.
So gehen Sie eine Runde konkret an:
- Nehmen Sie sich den Moment vor, den Sie seit Wochen umgehen: der Anruf, das Absenden, das Anfangen. Auf der Skala von 0 bis 10: Wie viel Widerstand spüren Sie?
- Einstimmungssatz an der Handkante, dreimal, breit, wenn das Thema unklar ist: „Auch wenn ich nicht weiß, warum ich mir hier im Weg stehe, akzeptiere ich mich voll und ganz."
- Klopfen Sie die Punktfolge durch (so geht die Technik: EFT-Klopftechnik ) und benennen Sie, was da ist: „dieser Widerstand", „diese Bremse", „lieber nicht auffallen", „ich schaff das eh nicht".
- Schauen Sie erneut auf die Skala. Oft wird der gemiedene Schritt eine Nummer kleiner: von „unmöglich" zu „unangenehm, aber machbar".
Wann Begleitung sinnvoll ist
Selbstsabotage allein zu bearbeiten ist möglich, hat aber eine eingebaute Falle: Das Muster sabotiert gern auch die Arbeit am Muster. Wenn Sie merken, dass Sie das Klopfen aufschieben wie alles andere, oder wenn beim Klopfen etwas aus der eigenen Geschichte auftaucht, das Sie allein nicht einordnen können, ist das der Punkt für eine 1:1-Begleitung. Strukturiert, in Ihrem Tempo, nüchtern und bodenständig.
Ein unverbindliches Kennenlern-Gespräch (10 Minuten, kostenfrei) reicht, um zu prüfen, ob die Arbeitsweise zu Ihnen passt.